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Dieses Thema hat 8 Antworten
und wurde 649 mal aufgerufen
 Zelluläre Automaten
Kanitrino

06.04.2007 21:43
Können deterministische Automaten überhaupt Leben simulieren ? antworten

Wenn man Conways "Game of Life" spielt, fällt auf, dass es streng deterministisch ist. Bei gleicher Ausgangsbesetzung nimmt das Spiel immer exakt denselben Verlauf.

Wenn man dagegen eine Prise Zufall hinzufügt, z.B., indem man die Regel hinzufügt "auf einem leeren Feld mit zwei Nachbarn entsteht mit einer Chance von 1 % eine neue Zelle", nimmt es jedes Mal einen unterschiedlichen Verlauf.
(siehe http://www.kanitrino.de/PageDE/GameOfLife.html -> Häkchen vor "2 Nachbarn, W=" setzen und "1" in das Textfeld schreiben).

Andererseits haben z.B. Gleiter und Blocks keinen Bestand, da ab und zu nach dem Zufallsprinzip zusätzliche Zellen auftauchen.

Die Frage, die ich mir stelle, ist, ob ein deterministisches System überhaupt "Leben" simulieren kann, oder ob nicht immer eine Zufallsmoment mit dabei sein muss.

Paul Koop Offline


Beiträge: 4

28.04.2007 14:05
#2 RE: Können deterministische Automaten überhaupt Leben simulieren ? antworten

Ich denke, soziale Strukturen und soziale Prozesse dienen vielleicht dazu, die Komplexität der nicht kalkülfähigen Handlungsmöglichkeiten menschlicher Individuen zu brechen und durch "Regeln" zu ersetzen um überhaupt ein "Überleben" zu ermöglichen. Menschliches Leben mag in seiner Komplexität überabzählbar und "unberechenbar" sein. Gesellschaftliche Prozesse und Strukturen sind dies nach meiner Meinung aber nicht. Ich denke sie sind berechenbar und kalkülfähig und ermöglichen so das Zusammenleben der Menschen: Vielleicht? Das bedeutet nicht, Das Individuen Algorithmen folgen. Innovation und Veränderung Beobachtet die Gesellschaft immer als deviantes Verhalten und sanktioniert es erfolgreich oder integriert es und verändert sich: Veränderung der Gesellschaft ist ein "asoziales" Element das ausserhalb eine "sozialen" Perspektive liegt: vielleicht?

Kanitrino Offline


Beiträge: 13

29.04.2007 12:57
#3 RE: Können deterministische Automaten überhaupt Leben simulieren ? antworten

In Antwort auf:
Gesellschaftliche Prozesse und Strukturen sind dies nach meiner Meinung aber nicht. Ich denke sie sind berechenbar und kalkülfähig und ermöglichen so das Zusammenleben der Menschen

Aber wird durch den Determinismus ncht ein Artefakt erzeugt, wie die "Blocks" im "Game of Life" ?

Durch einen Zustand, der ein labiles Gleichgewicht darstellt, wird eine Blockade erzeugt. Bei der geringsten Störung würde diese Konstruktion zusammenbrechen, tut es aber nicht, weil nicht da geringste "Rauschen" stattfindet, da die Entwicklungsregeln eben streng deterministisch sind.

In einem echten Komplexen System finden ständg Störungen statt, das System ist gegen eine einzelne Störung unempfindlich, zumindest, solange es sich in einem dynamischen Gleichgewichtszustand und nicht in einer Krisensituation befindet (Krisis (gr) = Entscheidung).

Aus diesem Grunde habe ich meine Zweifel daran, ob die Eingangsfrege zu bejaen ist.

Paul Koop Offline


Beiträge: 4

29.04.2007 18:01
#4 RE: Können deterministische Automaten überhaupt Leben simulieren ? antworten

Individuen sind nach meiner Auffassung nicht Teil der Gesellschaft. Sie sind Umwelt der Gesellschaft. Sie sind das Medium in dem Gesellschaft sich reproduziert und Transformiert. Ich halte gesellschaftliche Strukturen und Prozesse für deterministisch und artifiziell (Jedenfalls halte ich eine Gerichtsverhandlung, den Abschluss eines Kaufvertrages oder eine Parlamentssitzung nicht für natürliche Prozesse. Soziale Strukturen und Prozesse sind nach meiner Auffassung Artefakte und algorithmisierbar). Die Einhaltung der deterministischen Regeln wird durch die Gesellschaft überwacht und sanktioniert. Sozialer Wandel ist nach meiner Auffassung nur über abweichendes Verhalten möglich. Aus dieser Abweichnung wird aber nur sozialer Wandel wenn die Gesellschaft die soziale Abweichung nicht beobachtet und in ihre Erwartungserwartungen integriert. Beobachtet die Gesellschaft die soziale Abweichung wird sie sofort sanktioniert (psychische Störung oder Kriminalität in zivilisierten Gesellschaften aber auch Besessenheit etc in vorzivilisierten Gesellschaften). Sozialer Wandel kommt also nach meiner Auffassung aus der Umwelt des sozialen Systems nicht aus dem Sozialen System selbst. Diese Umwelt besteht aus Individuen. Individuen folgen in keinem Sinne von Bedeutung irgendwelchen Algorithmen die Gesellschaft schon (Beispiel: Quanteneffekte im synaptischen Spalt)

Kanitrino Offline


Beiträge: 13

29.04.2007 22:04
#5 RE: Können deterministische Automaten überhaupt Leben simulieren ? antworten

In Antwort auf:
Individuen sind nach meiner Auffassung nicht Teil der Gesellschaft. Sie sind Umwelt der Gesellschaft.
Diese Aussage muss man sich auf der Zunge zergehen lassen !
In Antwort auf:
Ich halte gesellschaftliche Strukturen und Prozesse für deterministisch und artifiziell
Aber daraus ergibt sich die Frage : Was ist denn "die Gesellschaft" ? Offenbar ist es nicht die Summe der sie bildenden Indivduen, noch ein über diese hinausgehende Organisationseinheit, sondern ein Abstraktum. Aber welches ? Eine Ordnung, die von dem sie bildende Substrat unabhängig ist ? Ist Ordnung immer deterministisch ?

Es bleibt schwierig.

Kanitrino Offline


Beiträge: 13

29.04.2007 22:13
#6 RE: Können deterministische Automaten überhaupt Leben simulieren ? antworten

In Antwort auf:
Sie sind das Medium in dem Gesellschaft sich reproduziert und transformiert.
Ich habe offenbar zu schnell geantwortet, denn hier liegt ja schon die Antwort auf meine o.g. Frage. Das Individuum ist also das Substrat, in dem das Abstraktum "Gesellschaft" lebt (oder "west"), wie die Software in der Hardware. "Programmiert" also die Gesellschaft das Individuum. Existiert "die Gesellschaft" nur in der Vorstellung der Individuuen ? Und warum existiert dieselbe "Gesellschaft" in der Vorstellung aller Mitglieder ?

Dieses Modell würde allerdings meine Vorstellung von Individuum und Gesellschaft auf den Kopf stellen.

Paul Koop Offline


Beiträge: 4

30.04.2007 05:05
#7 RE: Person Gesellschaft antworten

nah ja: Person - Gesellschaft: Was war zuerst: Das Huhn oder das Ei? In meiner Phantasie ist die Gesellschaft eine Maschine die den Überlebensvorteil bietet die wechselseitige kontingenz menschlichen Verhaltens zu brechen und durch erwartbare Kommunikationen zu ersetzen. Ja ich denke sogar, dass die Gesellschaft weniger komplex ist als die Individuen. Die Algorithmen und Datenstrujturen die die Gesellschaft ausmachen haben in meiner Vorstellung den Status den die Menge der natürlichen Zahlen hat. Sie sind Angehörige der Welt 3 Poppers und mit den Methoden zu analysieren die abstrakte (und artifizielle) Kulturphänomene verlangen. Aber: das ist nur mein Modell und es geht auch anders: Gesellschaft kann auch als eine emergente Struktur erwaxchsen aus den Interaktionen der Individuen verstanden werden. Dann denke ich ist Gesellschaftswissenschaft eher Biologie als Soziologie. Dazu fallen mir Namen wie Maturana, Varela oder Luhmann ein. Das ist ein in der Diskussion sehr erfolgreiches Modell. Und es ist das wie es scheint derzeit übliche Modell. Mir ist es zu biologistisch und zu psychologistisch. Mit Durkheim denke ich, dass die sozialen Phänomene unabhängig von psychologischen oder biologischen Grundlagen sind. Deshalb ist mir auch egal, ob ein soziales System sich in der Umwelt interagierender Individuen oder in der elektronischen Umwelt interagierender Automaten reproduziert und Transformiert. Intersubjektiv diskutierbar sind nach meiner Auffassunf letztlich und in jedem Modell nur Algorithmen und Datenstrukturen. Mein Modell von Gesellschaft ist ehre ein zahlentheoretisches, ein ein mengentheoretisches oder wenn man so will ein linguistisches und kein psychologistisches oder biologistisches Modell.

Kanitrino Offline


Beiträge: 13

30.04.2007 13:22
#8 RE: Person Gesellschaft antworten

In Antwort auf:
Was war zuerst: Das Huhn oder das Ei?
Gute Frage. Also, wenn man mal das Beispiel der Termiten betrachtet :

Termiten bauen ihre äußerst komplexen Bauten mit Hilfe von Pheromonen (Geruchslockstoffen). Jede rollt einen Lehmklumpen zusammen und tränkt ihn mit einem Pheromon. Dann trägt sie ihn dahin, wo die Konzentration an Pheromonen in der Luft am höchsten ist. Das ist meist oberhalb des zuletzt angekommenen Kügelchens. Es entstehen also Säulen. Da zwischen zwei Säulen der Geruch beider Säulen sich addiert, bekommen die Säulen eine Neigung zueinander - es entstehen Rundbögen usw.

Wenn man nun die Henne-Ei-Frage stellt, gibt es zwei Möglichkeiten :
a. Die Termiten haben sich zu Bewältigung des Bauvorhabens auf eine Konvention geeinigt und führen diese aus.
b. Das Individuum ist ziemlich dumm und durchblickt den Plan nicht, die Intelligenz entsteht aus ihrem Miteinander.

Eigentlich ist beides richtig : Wenn die Individuen nicht ihrem (angeborenen) Plan folgen würden, hätte "das Miteinander" keine Chance, irgendetwas hervorzubringen. Andererseits sind die Termiten zu dumm, sich zur Erreichung des Ziels auf eine bestimmte Kooperationsform zu einigen.

Also keine Henne ohne Ei und kein Ei ohne Henne.

P.S.: Das hat nichts mit Biologie zu tun; mit Homines Oeconomici würde es genau so gehen.

Hlustik Offline


Beiträge: 9

01.05.2009 15:45
#9 RE: Person Gesellschaft antworten

Zitat von Kanitrino
Termiten bauen ihre äußerst komplexen Bauten mit Hilfe von Pheromonen (Geruchslockstoffen). Jede rollt einen Lehmklumpen zusammen und tränkt ihn mit einem Pheromon. Dann trägt sie ihn dahin, wo die Konzentration an Pheromonen in der Luft am höchsten ist. Das ist meist oberhalb des zuletzt angekommenen Kügelchens. Es entstehen also Säulen. Da zwischen zwei Säulen der Geruch beider Säulen sich addiert, bekommen die Säulen eine Neigung zueinander - es entstehen Rundbögen usw.
Wenn man nun die Henne-Ei-Frage stellt, gibt es zwei Möglichkeiten :
a. Die Termiten haben sich zu Bewältigung des Bauvorhabens auf eine Konvention geeinigt und führen diese aus.
b. Das Individuum ist ziemlich dumm und durchblickt den Plan nicht, die Intelligenz entsteht aus ihrem Miteinander.



Oder es triffen Möglichkeit b und c zu:
c. Die Termiten, deren Pheromongeruch zu zweckmässigen Behausungen geführt hat, hatten einen evolutionären Vorteil - und konnten so ihre Gene weitergeben.

Ich bin mir sicher, dass man anhand vorhandener Variablen, die Bauform des Bogens beeinflussen kann:
Reichweite des Geruchs
Flüchtigkeit des Geruchs
Intensität des Geruchs

Es wäre interessant, diese Parameter mit Reglern zu beeinflussen und die Wirkung auf die Form der Bögen zu beobachten.

Um die Evolution des Pheromons zu simulieren, könnte man es über sich parallel entwickelnde Termitengenerationen darstellen und die Zweckmässigkeit des Bogens anhand seiner Proportionen beurteilen. Da es kaum möglich sein wird, die vielfältigen Naturbedingen (Sonne, Regen, Räuber usw) vollständig zu simulieren, kann es Sinn machen, den gebauten Boden mit einem vorher festgelegten Bogen zu vergleichen. Die Termitenfamilie, die dem "Zielbogen" am nähesten kommt, reproduziert sich (Arena wird geräumt, "Sensivität der Nase" wird mit vom Elternvolk mit einem Zufallsfaktor +/- 3% übernommen).

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