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Dieses Thema hat 1 Antworten
und wurde 239 mal aufgerufen
 Beschreibung komplexer Systeme
Kanitrino Offline


Beiträge: 13

15.04.2007 22:50
Wann brechen komplexe Systeme zusammen ? antworten

Ich lese gerade das Buch "Von Menschen und Ameisen" von Alberto Gandolfi (sehr zu empfehlen).

Der Autor stellt die These auf, dass komplexe Systeme dann in eine "Systemkatastrophe" oder auch "Bifurkation" geraten, wenn sie zu komplex werden. Sie brechen dann zusammen und orientieren sich neu.

Ich habe meine Zweifel an dieser Interpretation. Ich denke eher, dass diese Systeme nach und nach einen zu hohen Ordnungsgrad erlangen, indem z.B. das Individuum versucht, seine eigene Situation zu stabilisieren, wenn sie vorteilhaft ist.

Beispiel : Ein neuralgischer Punkt des Römischen Reiches war immer der Landbesitz. So wurden Soldaten mit einem Stück Land abgegolten und das wurde knapp, wenn nicht ständig neue Eroberungen gemacht wurden. Außerdem waren Kleinbauern gegenüber Großgrundbesitzern mit vielen Sklaven nicht wettbewerbsfähig. Es war schwierig, die Landverteilung zu reformieren, da die Nutznießer häufig Senatoren und damit diejenigen waren, die eine solche Reform hätten beschließen müssen.

Es gab aber trotzdem echte Reformen, z.B. durch Augustus. Diese wurde mit brachalen Mitteln durchgeführt, indem er 200 Senatoren umbrachte, damit aber dem System für ein Jahrhundert das Funktionieren ermöglichte.

Ich sehe also die Akkumulation von Landbesitz als einen unangemessenen Ordnungsgrad an, der das System destabilisiert und die Neuverteilung von Land als heilsame Verschiebung des Systems in Richtung Chaos.

Was meint ihr ?

Hlustik Offline


Beiträge: 9

01.05.2009 16:16
#2 RE: Wann brechen komplexe Systeme zusammen ? antworten


Die Komplexität als Ursache zu sehen ist originell - nach dieser These müsste ein ursprünglicher Mischwald instabiler als eine Monokultur sein.

Zitat von Kanitrino
Ich denke eher, dass diese Systeme nach und nach einen zu hohen Ordnungsgrad erlangen, indem z.B. das Individuum versucht, seine eigene Situation zu stabilisieren, wenn sie vorteilhaft ist.


Da liegt das Problem - stabile (oder noch schlimmer starre) Systeme entwicklen sich nicht weiter.

Zitat von Kanitrino
Ich sehe also die Akkumulation von Landbesitz als einen unangemessenen Ordnungsgrad an, der das System destabilisiert und die Neuverteilung von Land als heilsame Verschiebung des Systems in Richtung Chaos.
Was meint ihr ?


Die Akkumulation von Land ist per se noch nicht schädlich - da sie über Erbteilungen immer wieder kompensiert wird.

Martin

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